Aktuelles
Bericht des Vorstandes für 2025
Rechenschaftsbericht des Vorsitzenden für den Gesamtvorstand
Sehr geehrte Mitglieder, liebe Freundinnen und Freunde von Arzenu, dem Bund progressiver Zionisten in Deutschland e.V.
das Geschäftsjahr 2025 stand im Zeichen einer historischen Wegmarke für die weltweite progressive zionistische Bewegung: nämlich den Wahlen zum 39. World Zionist Congress sowie dem anschließenden Kongress Ende Oktober in Jerusalem. Für unseren Verein bedeutete dies eine Phase intensiver politischer, organisatorischer und inhaltlicher Arbeit. Gleichzeitig konnten wir unsere Rolle als progressive, liberale und religiös-zionistische Stimme innerhalb der jüdischen Gemeinschaft in Deutschland weiter festigen.
ARZENU Deutschland versteht sich als Plattform für Jüdinnen und Juden, die sich für einen jüdischen, demokratischen und pluralistischen Staat Israel einsetzen und progressiv-zionistische Positionen in Deutschland sichtbar machen. Im Berichtsjahr setzte der Vorstand seine Arbeit mit dem Ziel fort, die Sichtbarkeit progressiver zionistischer Positionen in Deutschland auszubauen und die Anbindung an die internationalen Strukturen von ARZENU zu stärken. Im Sommer war das Hauptaugenmerk in Bielefeld die Arbeit an der neuen Webseite. Mit großzügiger Unterstützung der Jüdischen Kultusgemeinde Bielefeld K.d.ö.R. konnten wir mit der Firma Gross (Fa. Unternehmenshomepage Web.SEO.Grafik Gross & Gross GmbH) in Berlin, die sehr erfahren und mit guten Ideen unsere Vorstellungen verwirklicht hat, unsere Webseite neu aufbauen. Die Vereinswebseite konnte dann endlich wieder als Informationsplattform genutzt und ausgebaut werden. Zudem wurden Kontakte zu jüdischen Gemeinden, zivilgesellschaftlichen Initiativen sowie internationalen Partnerorganisationen gepflegt.
Ich habe versucht, die Zusammenarbeit mit der internationalen ARZENU-Bewegung (Arzenu Olami), der World Union for Progressive Judaism sowie Partnerorganisationen innerhalb der liberalen jüdischen Welt zu intensivieren. Da Arzenu Olami an der Situation in Deutschland nicht besonders interessiert zu sein scheint, schafften wir es nicht, Gelder für die Durchführung der Wahlen in Deutschland zum Kongress einzufordern. Glücklicherweise bot sich dann die Gelegenheit mit Meretz und der UPZ, der Weltunion für progressiven Zionismus zusammen eine Koalition zu schmieden, die auch ARZENU Deutschland die Möglichkeit bot, Wahlen durchzuführen. Diese waren am Ende so erfolgreich, dass unsere Koalition die Wahlen gewinnen konnte. Dies führte dazu, dass alle Kosten für mich, den Vertreter von ARZENU über Meretz aus Israel getragen wurden.
In einer Zeit zunehmender gesellschaftlicher Polarisierung und eines oftmals vereinfachenden Diskurses über Israel war es uns ein besonderes Anliegen, die Verbindung von Zionismus, Demokratie, religiösem Pluralismus und gesellschaftlicher Verantwortung deutlich zu machen. ARZENU steht für einen Zionismus, der die demokratischen Werte Israels stärkt, Minderheitenrechte schützt und religiöse Vielfalt anerkennt.
Die Wahlen zum Weltzionistenkongress 2025
Den Schwerpunkt unserer Tätigkeit bildete die Vorbereitung und Begleitung der Wahlen zum 39. Weltzionistenkongress. Dieser ist das demokratisch legitimierte Parlament der weltweiten zionistischen Bewegung und bestimmt maßgeblich die politische Ausrichtung sowie die Mittelverteilung innerhalb der nationalen Institutionen Israels, insbesondere der World Zionist Organization, des Keren Kayemeth LeJisrael (KKL bzw. Kakal) sowie der Ssochnut, der Jewish Agency for Israel.
ARZENU Deutschland beteiligte sich aktiv an den internationalen Kampagnen zur Mobilisierung progressiver jüdischer Wählerinnen und Wähler. Dabei standen insbesondere folgende Ziele im Mittelpunkt
die Stärkung liberaler und progressiver Kräfte innerhalb der zionistischen Institutionen,
die Sicherung religiöser Gleichberechtigung in Israel,
die Förderung demokratischer und pluralistischer Werte,
Der Vorstand bemühte sich insbesondere darum, jüngere Mitglieder sowie bisher nicht eingebundene Interessierte für die Bedeutung des Weltzionistenkongresses zu sensibilisieren.
Die internationale ARZENU-Bewegung und die UPZ konnte dann bei den Wahlen in zahlreichen Ländern wichtige Mandate erringen und ihre Position innerhalb des liberalen zionistischen Spektrums weiter ausbauen. Besonders hervorzuheben sind erfolgreiche Ergebnisse bei uns in Deutschland sowie in Großbritannien, Kanada, Brasilien, Argentinien und weiteren Ländern.
Der 39. Weltzionistenkongress in Jerusalem
Der 39. Weltzionistenkongress fand Ende Oktober 2025 in Jerusalem unter dem Leitmotiv „Connecting Generations, Ideas, and Jews from Israel and the Diaspora“ statt.
Die Beratungen des Kongresses standen unter dem Eindruck tiefgreifender gesellschaftlicher und politischer Spannungen innerhalb Israels sowie der Herausforderungen in den Beziehungen zwischen Israel und der Diaspora. Für ARZENU war der Kongress zugleich eine Gelegenheit, progressive jüdische Positionen sichtbar einzubringen und den Anspruch religiöser Gleichberechtigung mit Nachdruck zu vertreten.
Besonders bedeutsam war die nach dem Kongress erzielte Koalitions- und Machtteilungs-vereinbarung innerhalb der nationalen Institutionen. Diese Vereinbarung stärkte den Einfluss der progressiven und liberalen Kräfte erheblich. ARZENU und seine Partner erhielten wichtige Führungs- und Mitwirkungspositionen innerhalb der World Zionist Organization und der Jewish Agency.
Ich bewerte dieses Ergebnis als bedeutenden Erfolg für die weltweite progressive jüdische Bewegung. Es zeigt, dass kontinuierliche internationale Zusammenarbeit, demokratische Mobilisierung und eine klare wertebasierte Haltung langfristig politische Wirkung entfalten können.
Vereinsentwicklung und Öffentlichkeitsarbeit
Neben der Arbeit rund um den Weltzionistenkongress setzte ARZENU Deutschland seine kontinuierliche Vereins- und Öffentlichkeitsarbeit fort. In Bielefeld lief erfolgreich ein Pilotprogramm "Israel verstehen", das als Vorbild für weitere Gemeinden dienen könnte. In sechs Sitzungen wurde über Israel heute und seine Vorgeschichte seit der ersten Alija Ende des 19. Jahrhunderts informiert. Unser Schatzmeister Ilja Egorov stellte in verständlichen Worten und Bildern die Entwicklung bis zur Staatsgründung und bis in die heutige Zeit dar. Die teilnehmenden Gemeindemitglieder waren sehr interessiert und blieben offen für die progressiv zionistische Sicht, mit der wir heute nach und auf Israel blicken. Die Herausforderungen der vergangenen Jahre – insbesondere die emotionale Belastung vieler Gemeindemitglieder durch die Entwicklungen in Israel seit dem 7. Oktober 2023 und den weltweiten Antisemitismus – machten deutlich, wie wichtig Räume für differenzierte Diskussion, Solidarität und politische Bildung bleiben.
Dank
Mein besonderer Dank gilt allen Mitgliedern und Freunden, die sich an den Wahlen beteiligt haben, die zu einem großen Erfolg führten. Dass wir im Laufe dieses Jahres wieder weitere neue Mitglieder bekommen konnten, war auch ein guter Erfolg unserer Arbeit und Kampagne. Alle, die sich im vergangenen Jahr mit großem Engagement für unseren Verein eingesetzt haben, verdienen Anerkennung. Ebenso danke ich unseren internationalen Partnern besonders innerhalb der UPZ, aber auch bei ARZENU Olami für die vertrauensvolle Zusammenarbeit.
Das Geschäftsjahr hat gezeigt, dass progressiver Zionismus eine wichtige und unverzichtbare Stimme innerhalb des jüdischen Lebens bleibt – in Deutschland, in Israel und weltweit.
Bielefeld / Prag 16. Mai 2026
Yuval Adam
1. Vorsitzender
ARZENU – Bund progressiver Zionisten in Deutschland e.V.